Aktuelles

Irgendwo gibt es sie, die Worte eines Menschen,    die in ihm leben.

27.11.17

„Ich bin 1936 geboren. Von klein auf musste ich meine sechs jüngeren Geschwister betreuen, denn die Mutter war krank. Abends hatte ich den gesamten Haushalt zu erledigen, abzuwaschen natürlich von Hand, dann alle Schuhe zu putzen und in einer langen Reihe aufzustellen; ab etwa 22 Uhr war ich mit allem fertig, dann durfte ich Hausaufgaben machen. In der Schule − nach dem Frühstücksabwasch verspätet dort angekommen − “durfte“ ich mit Sondergenehmigung Socken oder Pullover stricken. Nachmittags hütete ich meine Geschwister auf dem Spielplatz, neben mir ein Korb Flickwäsche, zugleich die strenge Pflicht, alle im Auge zu behalten. Mit 13 war meine Schulzeit zu Ende.“

 

Irgendwo gibt es sie, die Worte eines Menschen, die in ihm leben.

Er (oder sie) hat diese Worte nie ausgesprochen, sie sind ihm selber noch nicht bewusst. Die Biografin sitzt ihm gegenüber, die er bisher nicht kannte, dem er aber vertraut. Jemand, der ihm volle Aufmerksamkeit schenkt. Intensiv zuhört, ohne zu werten, zu kommentieren, ohne diese Einwände zu machen: „Sie hätten doch ...“, „Warum haben Sie nicht ...?“ Viele Male habe ich, die Zuhörerin, erlebt, wie das Schwere, das die Seele seit Jahren belastet hatte, hervorbrach. Und es gab Schweres. Das erste, aus tiefstem Herzen kommende „Danke!“ des Erzählenden folgt meistens gleich nach dem Gespräch.

 

Manchmal beginne ich zu Hause sofort, ohne die Tonband-Aufzeichnung anzuhören, meine Erinnerung an das Gespräch zu formulieren. Dieser erste kurze Text ist oft eine Quintessenz, ein Kristallisationskern der ganzen Biografie. Er hat schon den Tonfall, der später die ganze Biografie durchklingen wird. Nach der großen, Zeit nehmenden Arbeit des Abschreibens vom Diktiergerät, nun mit der Abschrift vor Augen, sichte ich: Welche großen Themen sind da? Welche konkreten Angaben brauchen wir noch? Formulieren. Überarbeiten. Und der aufregendste Moment: Der erste Text geht an meine Kundin, meinen Kunden, denn nun ist es Zeit für eine Rückmeldung: Bin ich auf dem richtigen Weg? Das Warten beginnt. Der Erzähler, die Erzählerin, erlebt jetzt die Verwandlung ihrer Worte in Geschriebenes. Ein Mensch liest sein eigenes Leben, schwarz auf weiß. Selbstverständlich kennt er, kennt sie bereits jeden einzelnen Fakt − ich habe ja nichts dazuerfunden. Aber doch ... Alle sagen mir nach einigen Wochen, teils sogar erst nach Monaten, wie stark dieses erste Lesen auf sie wirkte. Sie durchlebten das Schmerzhafte noch einmal. Aber auf eine neue Art. Nach dieser Zeit geht es ihnen besser, sie fühlen sich erleichtert.

 

Es ist keine Therapie, das Biografie-Schreiben. Aber es kann heilend wirken.

Überall
Überall

Nur ein Kompliment?

Diesen biografischen Text darf ich ohne Namen der Verfasserin veröffentlichen                         18.10.17

„Was für eine Hysterie. Das war doch nur ein Kompliment! Nett gemeint. Aber wer nicht will ...“

„Worüber beschweren sich eigentlich die Frauen. Männer haben es auch nicht leicht! Und nicht alle Männer sind Belästiger.“

Das stimmt.

Mir geht es hier um die Bedeutung des Aussehens. Wie oft habe ich Jungs beneidet, weil ihr Aussehen einfach kein Thema war! Wir Frauen sind daran gewöhnt, schon als kleines Mädchen Komplimente für unser Schönsein zu bekommen.

Moment.

A l l e können ja nicht schön sein. Sonst verliert das Wort seinen Sinn. Was ist mit denen, denen man zu verstehen gibt, sie seien leider nicht so schön? Sollten sich mehr anstrengen? Auf jeden Fall lernen wir: Außer dem Lieb-und-brav-Sein ist das Aussehen einfach zentral wichtig. Lächeln, lächeln!

Für Komplimente bedanken wir uns. Was aber, wenn sie mit Wünschen verbunden sind? „Ich habe dein Kleid gelobt, jetzt lass mich auch mal ran.“ Dieser Weg kann sehr kurz sein. Wir lernen erst allmählich, Blicke zu deuten. Wir lernen erst allmählich, dass der Po einer gebückten Frau überaus schön sein kann für einen Mann. Völlig egal, ob sie nur gerade etwas vom Boden aufheben will. Völlig egal, ob der Po wirklich schön ist. Wir selber finden ihn meist zu dick. Oder zu platt, irgendwas gibt es immer zu kritisieren. Aber warum da draufgehauen wird? Oder angefasst? Von einem völlig Fremden, wohlgemerkt. Wir lernen, da ist noch eine andere Art von schön. Sie vertreibt das Freundschaftliche aus dem Männerblick. Sie treibt das Begehrliche hinein, das uns instinktiv eine Bedrohung spüren lässt. Was haben die bloß mit diesem Po? Vor lauter Nachdenken über diese Frage kommen wir manchmal kaum dazu, unser eigenes Begehren zu entdecken, wenn es erwachen will.

Überall
Überall

Heute, am 1. Juli 2017, blicke ich auf fünf Jahre Selbstständigkeit als freie Autorin. Kleine Zwischenbilanz:

  • Man kann viel lernen, auch wenn man schon eine Weile lebt.
  • Schreibseminare sind großartig! (Seitdem 24 Fortbildungen besucht.)
  • Ich danke meinen Kundinnen und Kunden, die mir vertraut haben, auch als ich gerade erst anfing.
  • Ich habe viele spannende, liebe, kluge, kreative Autorinnen* kennengelernt.
  • Endlich ist LESEN nicht mehr Luxus und zusammengestohlene Freizeit, sondern zählt mit vollem Recht als Arbeit.
  • Sprache ist etwas Wunderbares! Sie bleibt mein großes Thema, nun auf andere Weise, seit ich sie beruflich produziere.
  • Schreiben lernt man durch Tun. Hinsetzen. Sitzenbleiben. Weiterschreiben. Nicht aufgeben. Auch wenn du heute nicht zufrieden mit dem Geschriebenen bist.
  • Überarbeiten muss jede Autorin. Sorg heute dafür, dass du morgen etwas zum Überarbeiten hast.
  • Lektorinnen* verbessern nicht die Rechtschreibung, das machen Korrektorinnen.
  • Lektorinnen blicken mit großen Fragen und einem weiten Horizont auf Texte und sehen Dinge – da staunt man.
  • Lektorinnen stehen im Dienst der Leserin.
  • Lektorinnen werden dringend gebraucht. Danke für eure Arbeit!
  • Irgendwann werde ich auch lernen, ein Exposé zu schreiben.
  • Ich weiß jetzt, dass eine literarische Agentin keine Spionin ist, und ich hoffe, bald eine zu finden, die* meine Bücher vertreten will.
  • Rezensionen sind Arbeit. Gar nicht so einfach, eine begründete Meinung zu formulieren, ohne den Inhalt runterzuerzählen.
  • Wenn ich „Autor“ und „Agent“ und „Lektor“ schreibe, sind Frauen zwar mitgemeint, aber wer diese Wörter liest, sieht vor seinem inneren Auge Männer. (Das hat man untersucht, es gibt eine Studie.)
  • Der Sprachfluss mag das nicht so. Aber ab und zu ein Sternchen* tut nicht weh.
  • Unsere Fenster werden vor Weihnachten und vor Ostern geputzt, das muss reichen, auch wenn ich im Schwabenland lebe ;-)
  • Meine Familie unterstützt mich und ist nicht nur deswegen die beste der Welt. Danke!
  • * Männer sind überall mitgemeint.

3. Juli 2017          Noch ein Rückblick          Mein Lieblings-Lektor

 

Kann man vom Schreiben leben?

Manchmal.

So manches froh geplante Biografie-Projekt fiel widrigen Umständen zum Opfer. Andere gelangen zur großen Zufriedenheit.

Ich werde weiter empfohlen, aber das reicht nicht immer. Zwischendurch brauchte ich brüderliche Hilfe.

Oliver Domzalski meldete sich in einer langen Durststrecke und fragte, ob ich Zeit hätte. Er selbst war überhäuft mit Aufträgen, da gut vernetzt und als erfahrener Könner weit bekannt, so empfahl er mich einem Verlag.

Meine Probetexte gefielen, und so entstand beim Westend-Verlag „Treffen sich zwei Knochen“, mein erstes medizinisches Sachbuch als Ghostwriterin, ein rundum erfreuliches und gelungenes Projekt. Natürlich mit der Hilfe des versierten Sachbuchlektors Oliver, der lobte, ermutigte, konstruktiv kürzte und auch mal ein fehlendes Kapitel schnell selbst schrieb - zu Hand und Ellenbogen fielen ihm einfach die besseren Fragen ein.

Seitdem arbeiten wir viel zusammen. Es darf auch mal was zum Lachen sein. Näheres demnächst. Danke, lieber Bruder!

Das Buch ist ...

... rechtzeitig vor Weihnachten 2014 fertig geworden. Neue Geschichten aus der Schreibgruppe in:

BEGEGNUNGEN

Erinnern und Schreiben im Voralbland, 2. Band

Herausgegeben von Claudia Stursberg


Zu bestellen überall im Buchhandel:

Vorrätig bei Buch & Kunst in Bad Boll.

 

ISBN 3-7347-3061-0

88 Seiten

€ 6,90

Erinnern und Schreiben im Voralbland 2. Band
Erinnern und Schreiben im Voralbland 2. Band


Adventsfenster in Bad Boll

Am 17. Dezember 2014 um 18 Uhr wieder im Blumhardtweg 4

Im Dezember erscheint in Bad Boll jeden Abend ein neues beleuchtetes Fenster.

 

Wer mag, kommt um 18 Uhr vorbei, um das Fenster gemeinsam anzuschauen. Draußen gibt es eine Bewirtung: Punsch und Schmalzbrote. Vielleicht eine kurze Musik.

 

Das Biografiezimmer ist wieder am 17. Dezember dran.  Wir freuen uns auf viele Gäste!

Advents-Fenster in Bad Boll
Advents-Fenster in Bad Boll


Biographie-Seminar mit Hernán Silva-Santisteban Larco

Siebtes Modul: Von 42 bis 49 Jahren.

 

Wo: AGENTUR FREIRAUM, Weilheim

Kirchheimer Straße 6
73235 Weilheim / Teck

 

Wann: Januar 2015

Freitag  9. Januar 2015 von 17 bis 20 Uhr

und Samstag      

10. Januar 2015     von 10 bis 18 Uhr
 

Aktuell November 2014:

Das Seminar findet mit 10 TeilnehmerInnen statt.

Ein weiteres Seminar mit Hernán Silva-Santisteban ist in Planung. Auskunft über

kontakt@biografieberatung-hernan-silva.de

 

Webseite von Hernán Silva-Santisteban Larco:

www.biografieberatung-hernan-silva.de

Hernán Silva-Santisteban Larco
Hernán Silva-Santisteban Larco


Wilhelm Hochweber "Es wird nie mehr Nacht werden"

Neues biografisches Buch erschienen

Februar 1943: Als Kriegsgefangener in Stalingrad muss Pfarrer Wilhelm Hochweber damit rechnen, im nächsten Moment erschossen zu werden. Er beschreibt später diesen unerträglichen Moment des Versinkens in „völliger Nacht“. Spätestens seit diesem Nahtod-Erlebnis hat Hochweber vor nichts und niemandem mehr Angst.

Seine 37 Jahre jüngere Frau erzählt in diesem Buch umfassend und anschaulich, wie er es tat, aus seinem bewegten Leben – von der Jugend als Sohn eines Landwirts über seinen Aufenthalt im Amerika der Prohibition bis zur Nazizeit und den Schrecken des Krieges.

 

Paperback

16,90 EUR

184 Seiten

ISBN: 978-3-8495-8027-8

Größe: 14,8 cm x 21,0 cm

Hier können Sie das Buch versandkostenfrei bestellen.

Biografie Wilhelm Hochweber
Biografie Wilhelm Hochweber


Radio-Feature über den Autobiografiker Frank Nussbücker

SWR 2 Tandem am 21. Mai 2014
Ralph Gerstenberg: Fremde Leben festhalten.

Hier können Sie die Sendung nachhören

 
Sehr interessante Sendung: Wie entsteht eine Autobiografie, die jemand anderes schreibt?
Bei einer Fortbildung bei Rohnstock Biografien in Berlin im Februar 2014 wurde neben meinem Dozenten Frank Nussbücker und anderen auch ich zu meiner Arbeit interviewt.
(Kleine Anmerkung: Zu meinen Preisen sprechen Sie mich bitte direkt an; die in der Sendung erwähnten Preise liegen nach meiner Einschätzung am oberen Rand.)
Ralph Gerstenberg über Autobiografiker
Claudia Stursberg in SWR2 Tandem 21.5.2014


Immo Lünzer "liebe ändert alles . karma & co."

Biografisches Buch fertiggestellt.
Erschienen am 26. Februar 2014
Lebenserinnerungen von Immo Lünzer, Ökologe, Karma-Coach, Netzwerker und Stifter, kritischer Anthroposoph, Kuckuckskind und Biografieberater. Das Buch "LIEBE ÄNDERT ALLES: Karma & Co." ist in der edition winterwork, Leipzig, erschienen. 212 Seiten.

Hier können Sie das Buch für € 12,90 bestellen.

Immo Lünzer
Immo Lünzer


Das Buch ist da ...

... am 24. Dezember 2013 eingetroffen!

Geschichten aus meinen Schreibgruppen finden Sie in dem kleinen Bändchen

 

WASSERSCHIFF UND SCHWARZMUS

 

- und was das ist, erfahren Sie dort.

 

Wenn Sie sich für meine Arbeit interessieren, schicke ich Ihnen gern kostenlos eines zu.

Erinnern und Schreiben im Stauferland
Erinnern und Schreiben im Stauferland


Adventsfenster in Bad Boll

Am 17. Dezember 2013 - und nächstes Jahr wieder!

 Im Dezember erscheint in Bad Boll jeden Abend ein neues beleuchtetes Fenster.

 

Wer mag, kommt um 18 Uhr vorbei, es wird musiziert, ein bisschen gesungen, vielleicht eine kurze Geschichte vorgelesen, oft gibt es Glühwein, Punsch, Schmalzbrote ...

 

 

Das Biografiezimmer war am 17. Dezember dran.

 

Wir freuen uns schon sehr auf nächstes Jahr
- mit noch mehr Gästen!

Advents-Fenster in Bad Boll
Advents-Fenster in Bad Boll

Biografiezimmer Bad Boll im Advent
Biografiezimmer Bad Boll im Advent

Biographie Seminar mit Hernán Silva-Santisteban Larco

Erstes Modul: Von 0 bis 7 Jahren. Die Einheit mit der Welt.

Wo: AGENTUR FREIRAUM, Weilheim/ Teck

Kirchheimer Straße 6
73235 Weilheim / Teck

Wann: Januar 2014

Freitag, 24. Januar 2014 von 17 bis 20 Uhr
Samstag, 25. Januar 2014       von 10 bis 18 Uhr

Kosten: € 120

plus eine Umlage von ca. € 20 für Reisekosten und Raum. (Höhe je nach Teilnehmerzahl).

Anmeldung über Claudia Stursberg, Bad Boll:

Vortrag und Seminar Weilheim/ Teck Januar 2014
Vortrag und Seminar Weilheim/ Teck Januar 2014

Webseite von Hernán Silva-Santisteban Larco:

Hernán Silva-Santisteban Biographiearbeit
Hernán Silva-Santisteban Biographiearbeit


russisch
Pусский
deutsch
Deutsch

Aktualisiert am 19. Dezember 2017